Anschaffung eines Angelkajak für die Ostsee, out of the Box!

Anschaffung eines Angelkajak für die Ostsee, out of the Box!

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Die Qual der Wahl…

Den Gedanken an die Anschaffung eines Angelkajak trage ich nun schon seit ein paar Jahren mit mir rum, doch bisher hatten mich die doch relativ hohen Anschaffungskosten stets erfolgreich abgeschreckt. Die letzten zwei Jahre lief es bei mir an der Küste beim Watangeln nicht mehr ganz so „berauschend“ wie in den Vorjahren, ich kann eigentlich gar nicht sagen warum?, aber die Tage häuften sich wo ich die Kollegen in ihren Booten beneidete, die damit einen relativ mühelosen Zugang zu tieferen Wasserregionen hatten, insbesondere in den Sommermonaten wo der Zielfisch doch sehr oft ordentlich tief in kühlerem Wasser und damit für einen Uferangler komplett unerreichbar ist, steht.

Wenn du ein Neuling in dieser Materie bist, kannst du im Netz natürlich sehr viele Hinweise & Tipps zur Anschaffung finden, auch über YouTube findest du viele Empfehlungen, die Frage bleibt aber grundsätzlich welches der fast unüberschaubaren Kajakmodelle bzw. welcher Typ ist denn nun das Richtige für deine Zwecke und welchen Kostenrahmen musst du für die Anschaffung kalkulieren?

Ich kenne mich ein wenig und weiß daher, dass ich sobald ich etwas neu beginne dies gern bis zu einem bestimmten Level betreibe, mit dem Boot mussten später also auch bestimmte „Ausbaustufen“ realisierbar sein.

Beratung zur Anschaffung

Vergiss es, du wirst von 10 anderen Kajakanglern fast immer nur empfohlen bekommen was diese selbst kennen und fahren, dies liegt auch in der Natur der Sache und ist auch gut gemeint, aber was nützt es zu wissen was andere Kajakfahrer vor 4 Jahren für richtig erachteten?  Mittlerweile gibt es völlig neue Typen von Kajak, insbesondere auch für die Angelei an der Küste. Wenn es um die Bauweise geht sind sich alle einig, es sind die Sit-on-top aus PE die derzeit einfach den Standard bilden, aber auch dabei gibt es deutlich voneinander abweichende Varianten.

Der häufigste Hinweis der mir in Gesprächen mit anderen Anglern dazu begegnete war in Bezug zur Bootslänge. Fast einhellig wurden Boote über 3.00 Meter für die Küste empfohlen – und auch dies ist so heute längst nicht mehr richtig. Bootslängen über 3 Meter bieten zwar eine gute Geradeauslaufstabilität, aber was nützt mir dies wenn es mir als Angler doch bei Wellengang bis knapp über 4 Windstärken doch primär um die bestmögliche Seiten-Stabilität eines möglichst ruhig beim Angeln in der Welle liegenden Boot geht?

Die Bootbreite machts!

Tatsächlich ist es die Bootbreite die dich sorglos und angenehm stabil auf der Welle treiben lässt, ohne das du bei jeder Drehbewegung deines Körpers um etwas im Boot zu erreichen, gleich in eine seitliche Schieflage gerätst. Daher wurde mir von einigen Spezialisten eine Bootbreite ab 80 cm für die Küste empfohlen, die Länge ist eher unwichtig wenn es um das Angeln an der Küste geht und spielt eher für Wander- Tourenkajak eine Rolle, aber nicht wenn man nur ein paar 100 Meter raus möchte um tieferes Wasser zu erreichen.

Zudem haben aktuelle Sit-on-top Kajak für die Angelei eine speziell darauf angepasste Kiel & Rumpfform, die Paddelfish- Leute sprachen dazu von Trapezbauweise und haben mir diese Kurzbauweise empfohlen. Im Vergleich zu den bis vor ein paar Jahren gängigen Typen mit einer Breite knapp über 70 cm, liegen diese Boote deutlich ruhiger im Wasser, insbesondere wenn sie nicht unter Fahrt sind. Ich habe mich daher für eine Länge v. 3,00 Meter und eine Breite von 82 cm entschieden und erst noch vor ein paar Tagen von einem Angelkollegen gehört, das mein Boot in Vergleich zur alten Bauweise sehr viel ruhiger bei Welle im Wasser liegt, gut so, genau so wollte ich es ja haben!

Preise, wie immer das Maß aller Dinge

Nachdem für mich der Bootstyp und die Ausführung geklärt waren, habe ich mich auf dem Markt nach geeigneten Angeboten umgesehen und zuerst gar nicht glauben können wie stark die Preise dort differieren, wohlgemerkt immer für PE- Boote, die sämtlich nach gleicher Methode in Formen gegossen und vom Material her völlig identisch sind.  Mit etwas Blick für die Sache wird jeder Suchende feststellen, dass die unterschiedlichen Hersteller auch qualitativ sehr nahe mit ihren Produkten beisammen liegen, denn Zubehör und Anbauteile werden gemeinsam von asiatischen Zulieferern verbaut… So findet man die exakt gleichen D-Ringe, Stauluken, Gepäckseile – ja selbst die Sitze etc. an sehr vielen unterschiedlichen Booten, nur ganz wenige Hersteller verbauen eigenes Zubehör.

Anschaffungsbudget

Bedenke auch, dass du neben den eigentlichen Bootskosten in der Anschaffung gut und gern noch einmal das Gleiche für das notwendige Zubehör kalkulieren musst, auch Schwimmwesten, Anker, Rutenhalter etc. kosten ihr Geld!  Insgesamt sind da nun einmal sehr schnell ordentlich über 1200.- Euro einfach weg. Dabei ist von einem Echolot usw. noch nicht einmal die Rede…

Nach einiger Suche über Monate des Vergleichens der vielen Angebote hinweg, hatte ich dann endlich mein Boot gefunden, ein Grapper Kajak sollte es sein.

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Auspacken und fertig!

Wer die Gelegenheit hat dieses ausgesprochen preiswerte Boot mit einem  der vielen Alternativen auf dem Markt zu vergleichen wird feststellen, dass es hinsichtlich der Verarbeitungsqualität tatsächlich nichts daran zu beanstanden gibt. Ich bin heute noch sehr froh darüber diesen derzeit noch sehr kleinen Hersteller mit Sitz in Bulgarien im Netz ausfindig gemacht zu haben. Ich habe mein Boot also direkt online in Sofia bestellt und was soll ich sagen…keine  7 Tage nach der Banküberweisung stand der Spediteur mit meinem gut verpackten Kajak vor der Haustür😉

Jungfernfahrt

Meine Jungfernfahrt fand in Klein Waabs bei nur mäßiger Welle und bestem Wetter vor ein paar Wochen statt, ich habe mich ab dem ersten Metern auf diesem Kajak sehr wohl gefühlt. Neben dem Gefühl für das Boot, mit dem man zunächst primär beschäftigt ist wenn man noch kein alter Kajak Profi ist, konnte ich mir dabei ein gutes Bild von der Austattung und deren Zweckmäßigkeit machen.

Gleich vorweg, die eingebauten Rutenhalter sind nur bedingt zu gebrauchen, die Ruten stehen sehr steil, damit eher ungeeignet um ein ordentliches Schleppen von Wobblern in verschiedenen Tiefen zu realisieren. Meine erste Maßnahme war daher  der Einbau zweier drehbarer Rutenhalter, die in jede gewünschte Position verstellbar sind. Die am Boot vorhandenen Rutenhalter behindern zudem mit eingesteckter Rute erheblich das Wurfangeln vom Boot aus, daher war diese Modifikation aus meiner Sicht unbedingt erforderlich.

Fazit:

Das Grapper ist für meine Gewichtsklasse (95 kg) bei einer Tragkraft von 160 kg gerade ausreichend, wenn man etwas Zubehör & Erweiterungen, wie weiter unten erwähnt plant. Dies gilt auch für die Beinfreiheit, die bei mir mit 182 cm optimal ist. Das Boot ist aufgrund seiner Formgebung sehr steif, selbst bei einem Wellenhub von über 80 cm und/oder Winden bei 4 Windstärken konnte ich in der Nähe von kreuzenden Großschiffen auf der Kieler Förde keinerlei Verwindungen des Rumpfes feststellen. Meiner Ansicht nach ist das Grapper Pike jeden Cent wert, Verarbeitung und Qualität sind in dieser Preisklasse wohl beispiellos gut, ich habe auf meiner suche Boote gesehen, für die hätte ich nicht einmal die Hälfte gegeben – und die waren teurer! Wer deutlich über 100 Kg wiegt sollte jedoch zu einem der etwas größeren Modell greifen, insbesondere der hohe Tiefgang im hinteren Bereich des Bootes ist sonst sehr lästig.

Als Nächstes geplant sind nun der Anbau eines Echolot und auch eines E-Motor oberhalb von 40 Lbs Schubkraft, darunter halte ich die Power für nur ausreichend zum Schleppen, aber kaum um einmal etwas flotter einen Küstenabschnitt wechseln zu können.

Wie ich den Einbau zweier Akku, einen für das Echolot und einen separaten, deutlich stärkeren für den E-Motor realisiere – und auch den Anbau des Motor selbst, davon handelt der nächste Artikel.

TL & Ahoi, erstmal!

Felix

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